Abteilung I, Briefe

Dokumenttyp: Brief

Chronologie: Briefe von 1914 bis 1915

Briefwechsel: Jacoba van Heemskerck an Herwarth Walden

Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin, Handschriftenabteilung, Sturm-Archiv I, Heemskerck van Beest, Jacoba van, Bl.53-55


[53r]
.
Sehr wehrter Herr Walden,

Ihr Brief erhalten will ich gleich beantworten Da Sie empfehlen dasz ich in ausstelle so werde ich dasz natürlich gern thun.1 So gegen oder schicke ich dann 17. Gemälde und 20. Zeichnungen, ich schicke mit grande Vitesse2 und ich denke
[53v]
dasz alles dann recht zeitig eintreffen wird. Da die Ausstellung doch öffnet und man jetzt nicht so sicher ist mit dem Transport so ist es doch jedenfalls besser dasz Sie alles etwas früher empfangen. Ich bin sehr gespannt wie Ihnen meine letzten Arbeiten gefallen werden. Im Sommer sagte Sie dasz Sie besser fanden eine Ausstellung allein von meine Arbeiten zu machen und nicht mit zwei andere zusammen wie letztes Jahr. Ich denke dasz 37. Stück Gemälde und
[54r]
Zeichnungen genügen, da 2 grosse Gemälde dabei sind. Wollen Sie eine liste für den Catalog haben? Wie verabredet nummerieren wir einfach, ich habe die Photo’s hier auch nummeriert so wenn etwas verkauft wird, kann ich gleich sehen welche Composition es ist. Ich dachte wenn ich Ihnen das Anzahl schreibe dasz dann eine Liste nicht nötig ist. Preis und alles arrangieren Sie bitte Sie sind ganz frei und Sie haben mein volles Vertrauen. Bitte schicken Sie bald Sturm Zettel3 ich habe schon aber ich brauche mehrere
[54v]
Heute eröffnet eine Ausstellung in Rotterdam von Le Fauconnier, Mondrian und Alma, man hat mir nicht einladen wollen wegen der Sturm es ist wirklich zu schön, Kikkert, Le Fauconnier und die andern sind wütend und dabei natürlich auch ganz für die Franzosen. wirklich zu dumm, all die Eifer sucht. Ich gehe nach Rotterdam und schreibe Ihnen dann über die Ausstellung Le Fauconnier musz schreckliche Sachen gemacht haben in Zeeland Bauernmädchen ganz in Kubus. Prachtvoll wenn Sie in Holland komme, dann sehen Sie auch die Sammlung von Frl Tak an, sie will später auch bei Ihnen neue Kunst kaufen, die Filla ist ein Ihrer beste Gemälde. Für unsere Kunst ist der Krieg auch schrecklich man hat auch nicht so viel Geld zum kaufen, obwohl man hier in Holland doch so ziemlich gut weiter geht. Es ist sehr gut
[53r]
dasz ich das Geld für das Gemälde etwas später bekomme. Was gibt es doch so in unsere Richtung noch wenig recht gute Maler alle die hier in Holland ausstellen und in Paris arbeiten wie diejenige jetzt in Rotterdam dasz ist doch nicht wirklich schön wie viel und viel schöner sind dann Marc, Filla Kandinsky und alle diejenige die Sie für Ausstellungen einladen.

Viele herzliche Grüssen für Sie beiden Ihre JacobavHeemskerck

Sie lassen mir dann bitte die Zettel schicken die 50 Pf für das Buch (ℹ) [Digitalisat]4 schicke ich Ihnen im März zusammen mit die 20. M für das Verein für Kunst, dasz ist einfacher.
[55r]

Beim Überlesen will ich Ihnen noch eben sagen bei was ich oben von Rotterdam geschrieben habe dasz eben wenn ich eine Einladung für die Ausstellung bekomme hätte, ich dann wie immer sagen will dasz man wegen meine Ausstellungen direct an Ihnen schreiben musz da Sie alles für mich arrangieren und annehme oder ablehne wie Ihnen dasz am besten vorkommt und dasz Sie auch meine Gemälde hinschicken. So wenn es vorkommt dasz man Ihnen sagt dasz ich irgendwo ausstelle dann ist dasz nicht wahr. Glauben Sie auch nicht dasz es viel besser ist dasz ich nicht mehr im Sommer in Domburg ausstelle Bitte sagen Sie immer ganz offen was Sie am besten finden Die Indépendants hier in Amsterdam in musz schrecklich gewesen sein Le Fauconnier hat dort auch ausgestellt
[55v]
So gegen schicke ich die Holzschnitte für die Mappe. Viele Grüsse JvH

Ich habe kein Geld in nach Berlin zu kommen aber ich hoffe später in Friedenszeit dann mehrere Mahlen kommen zu können Man ist mit alles noch so unbestimmt in diese Zeiten und das wenige Geld das ich verdiene ist glaube ich besser zu bewahren.

  1. Im März 1915 fand in der Sturm-Galerie die 31. Sturm-Ausstellung mit Werken Jacoba van Heemskercks statt. Vgl. Enders, Rainer: Ausstellungskataloge der STURM-Galerie. URL: https://www.arthistoricum.net/themen/portale/sturm/ausstellungskataloge/ (Aufruf 06.04.2017). »
  2. „Grande vitesse“ (frz.) heißt im Deutschen „Hochgeschwindigkeit“. Es ist davon auszugehen, dass Jacoba van Heemskerck hiermit den postalischen Versand per Eilpost meinte. »
  3. Der Begriff „Sturmzettel“ ist in der Literatur nicht belegt. Van Heemskerck spricht in ihrem Brief an Walden vom 16. Oktober 1914 (Bl.29-30) davon, dass sie ihm mit Zetteln nummerierte Bilder schicken wolle: „die Bilder werde ich dann auch mit die Zettel vom Sturm nummerieren [...].“ In den folgenden Briefen ist dann von „Sturmzetteln“ die Rede. Es wird hier angenommen, dass „Sturmzettel“ Vorlagen des Sturm-Unternehmens zur Benennung und Nummerierung von Kunstwerken waren. »
  4. Behne, Adolf: Zur Neuen Kunst. Berlin 1915. »

Zitierhinweis:
Trautmann, Marjam: „Jacoba van Heemskerck an Herwarth Walden, 31. Januar 1915“, in: DER STURM. Digitale Quellenedition zur Geschichte der internationalen Avantgarde, erarbeitet und herausgegeben von Marjam Trautmann und Torsten Schrade. Mainz, Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Version 1 vom 16. Jul. 2018.

URI:
https://sturm-edition.de/id/Q.01.19150131.JVH.01

Versionen:
https://sturm-edition.de/id/Q.01.19150131.JVH.01/1 (16. Jul. 2018)

Nutzungshinweis:
Edition und Forschungsdaten stehen unter einer Creative Commons Attribution 4.0 International (CC-BY 4.0) Lizenz. Freie Verwendung unter Angabe von Zitierhinweis, Permalink und Kenntlichmachung von Änderungen.