Abteilung I, Briefe

Dokumenttyp: Brief

Chronologie: Briefe von 1914 bis 1915

Briefwechsel: Jacoba van Heemskerck an Herwarth Walden

Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin, Handschriftenabteilung, Sturm-Archiv I, Heemskerck van Beest, Jacoba van, Bl.13-14


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Sehr geehrter Herr Walden.

Schade dasz Sie wieder fort sind, das Besuch von Sie beiden hat mir so gefreut. Wir haben einander besser kennen lernen und es ist von so grossen Interesse mit Freunden zusammen zu arbeiten. Mit das Arrangieren der Ausstellung hatte ich viele Unannehmlichkeiten. Die Maler sind
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wütend dasz Der Sturm meine Ausstellungen macht. Kickert und Le Fauconnier waren hier mit Herr Beffie der Sammler aus Amsterdam. Beffie hat drei grosse Gemälde von Le Fauconnier hier gekauft u sagte zu mir dasz er ein Fauconnier Sammler war. Er erzählte dasz er auch letztes Jahr die Kandinsky’s gekauft hat und jetzt 3. Chagall’s. Er liebte sehr die Bilder von Fauconnier, und hier kaufte er auch zwei Gemälde von Toorop und ich glaube ein von Kickert Er wollte mein Atelier sehen u
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kam allein und die anderen waren so böse dasz Kickert nicht mehr grüsst wenn ich Ihm begegne. Beffie sah alle Gemälde im Atelier und wollte dasz was Sie gekauft haben gern kaufen. Ich sagte Ihm dasz der Sturm das Bild für eine Sammlung gekauft hat, ich sagte kein Preis, von kein einziges Bild ich sagte Ihm dasz der Sturm alles arrangierte und dasz ich Ihnen schreiben würde, er wollte gern ein Bild habe konnte aber nicht zu ein Entschluss kommen. Ich glaube dasz Kickert, Le Fauconnier und Toorop ihm verboten hätten etwas zu kaufen, und ihm erzählte
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dasz meine Malerei gar nichts war. Auch später wann er nach Toorop zurück ging hat man ihm gewarnt niemals etwas zu kaufen. Es ist mir ganz egal ich gehe mein Weg und will so weiter komme. Viel Gesmack hat er nicht, er liebt auch sehr die Bilder von Sluiters Ich glaube er kauft nur wann andere sagen dasz es gute Kunst ist. Die Bilder hier von Le Fauconnier sind einfach schrecklich. Alle Maler wissen dasz ich bei Ihnen ausstellte, die Maler sprechen aber gar nicht über meine Bilder. In ein kleine Zeitung hier hatte ich ein gute critik. Der Bürgermeister, Capitän Christus und Famia lässen Sie beiden freundlich grüszen. Es ist hier furchtbar warm Viel Vergnügen auf die Reise.

Viele
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grüssen
von Fräulein Tak und meiner Schwester für Sie beiden und herzlichste Grüssen von mir Ihre Jacoba vanHeemskerck

Zitierhinweis:
Trautmann, Marjam: „Jacoba van Heemskerck an Herwarth Walden, 21. Juli 1914“, in: DER STURM. Digitale Quellenedition zur Geschichte der internationalen Avantgarde, erarbeitet und herausgegeben von Marjam Trautmann und Torsten Schrade. Mainz, Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Version 1 vom 16. Jul. 2018.

URI:
https://sturm-edition.de/id/Q.01.19140721.JVH.01

Versionen:
https://sturm-edition.de/id/Q.01.19140721.JVH.01/1 (16. Jul. 2018)

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