Thematische Einführung

Im Jahr 1910 gründete der Publizist und Komponist Herwarth Walden (geboren als Georg Lewin) in Berlin die avantgardistische Wochenschrift für die Literatur und Künste ‚Der Sturm‘. Die Zeitschrift beschäftigte sich mit bildender Kunst, Poesie, Literatur und kunstgeschichtlicher Theorie. Zwei Jahre später folgte die gleichnamige Galerie, in der avantgardistische Künstler und Künstlerinnen aus Deutschland und weiteren europäischen Ländern ausgestellt wurden. Das STURM-Unternehmen avancierte zu einer zentralen Plattform der Avantgarde und zeichnete sich besonders durch seine internationale Ausrichtung aus und dadurch, dass das Unternehmen – für die Zeit ungewöhnlich – zahlreiche Künstlerinnen unterstützte.

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Nell Roslund (in erster Ehe war Herwarth Walden bis 1912 mit der Dichterin Else Lasker-Schüler liiert) führte Herwarth Walden den ‚Sturm‘ durch die Kriegsjahre 1914 bis 1918, wobei das Unternehmen unter der Bezeichnung ‚Nachrichtenbüro Der Sturm Berlin‘ für die Zentralstelle für Auslandspropaganda (ZfA), einen Nachrichten- und Propagandaapparat des kaiserlichen Reichmarineamtes, tätig war. Neben der Zeitschrift und Galerie entstanden im Laufe der 1910er Jahre eine STURM-Theaterbühne, eine Kunstbuchhandlung und eine Kunstschule. Der STURM-Verlag gab regelmäßig eigenständige Publikationen von Künstlern und Künstlerinnen sowie von Literaten und Literatinnen heraus. Seit 1918 begann sich Herwarth Walden verstärkt dem linken politischen Spektrum zuzuwenden, was schließlich zur Trennung von Nell Roslund führte. Das STURM-Unternehmen bestand bis 1932, in diesem Jahr ging Herwarth Walden ins Moskauer Exil, wo er 1941 starb.

    Erste Ausgabe des ‚Sturm‘, 03. März 1910